Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) und die Arbeiterkammer (AK) fordern die Einführung von Beschäftigungsquoten für ältere Mitarbeiter in Unternehmen. Firmen, die diese branchenspezifischen Quoten nicht erreichen, sollen eine Strafsteuer zahlen, die sich am jeweiligen Branchendurchschnittseinkommen orientiert und mehrere hundert Euro pro fehlender Person betragen würde. Im Gegenzug sieht das Modell einen Bonus für Unternehmen vor, die die vorgegebenen Quoten übertreffen.
Hanno Lorenz, Experte der Agenda Austria, kritisiert dieses Bonus-Malus-System scharf und bezeichnet die Forderung in dieser Form als „Selbstmord“. Laut Lorenz glaubt der ÖGB fälschlicherweise, man gewinne Wohlstand, indem man Arbeit teurer macht. Er argumentiert, dass solche Maßnahmen unnötig seien, da die Beschäftigungsquote älterer Menschen bereits seit Jahren deutlich ansteigt, obwohl es seit sieben Jahren kein Wirtschaftswachstum pro Kopf gibt.
Die Zahlen belegen diesen Trend: Bei den Männern sind derzeit 49,3 Prozent der 60- bis 64-Jährigen im Beruf, was auf die Einschränkung der Frühpension seit 2016 zurückzuführen ist. Bei den Frauen stieg die Quote der unselbstständig Beschäftigten in dieser Altersgruppe von unter 10 Prozent im Jahr 2005 auf aktuell 31,1 Prozent, beschleunigt durch die Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters. Lorenz verweist zudem auf Skandinavien, wo trotz steigender Pensionsalter hohe Erwerbsquoten durch angepasste Lebensplanungen und demografischen Druck bestehen.
Gegen die Quoten spricht laut Lorenz auch die Gefahr, dass Unternehmen in bestimmten Regionen oder Branchen schlicht keine qualifizierten älteren Arbeitskräfte finden. Zudem könnten Bewerber bis 59 Jahre benachteiligt werden, wenn Firmen nur versuchen, Strafzahlungen zu vermeiden. Stattdessen schlägt der Forscher arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sowie Anreize vor, wie etwa den zeitweiligen Erlass von Sozialversicherungsbeiträgen für ältere Mitarbeiter, um deren Wiedereinstieg zu erleichtern.



