Die ungarische Regierung hat einen bedeutenden Schritt zur Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit eingeleitet. Ministerpräsident Peter Magyar kündigte an, dass erstmals seit dem Ende des Kommunismus alle Bürgerinnen und Bürger Zugang zu den Akten des früheren Geheimdienstes erhalten. Diese Maßnahme war ein zentrales Versprechen während seines Wahlkampfs.
Die Unterlagen sind nun über die Internetseite des zuständigen Archivs öffentlich zugänglich. Damit wird ein detaillierter Einblick in das einstige Spitzelnetz des kommunistischen Regimes ermöglicht. Die Digitalisierung erlaubt eine umfassende Einsicht in die Dokumentation der Überwachungspraktiken.
Die Dimension des Netzwerks wird durch die Zahlen des Archivs deutlich. Es sind rund 55.000 Menschen als mögliche Informanten und Informantinnen in den Unterlagen erfasst. Diese Liste gibt Aufschluss über das Ausmaß der staatlichen Überwachung in der betreffenden Ära.
Besondere Relevanz hat die Veröffentlichung für die heutige Gesellschaft, da ein Teil der Beteiligten noch aktiv ist. Laut Angaben des Archivs könnten etwa 10.000 der erfassten Informanten derzeit noch leben. Dies ermöglicht eine direkte Auseinandersetzung mit den Akteuren des früheren Systems.



