
Mit dem Klimawandel gerät der globale Wasserkreislauf zunehmend unter Druck – und mit ihm jene Regionen, die entweder mit anhaltender Trockenheit oder immer häufigeren Starkregenereignissen konfrontiert sind. Während trockene Gebiete tendenziell noch trockener werden, müssen sich ohnehin feuchte Regionen häufig auf mehr Niederschlag einstellen. Welche Folgen das für Wasserspeicher, Grundwasser und Infrastruktur hat, steht im Zentrum der Jahresversammlung der European Geosciences Union (EGU), die vom 3. bis 8. Mai im Austria Center Vienna tagt.
Moderne geowissenschaftliche Prognosetools spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie erfassen Veränderungen in Wasserspeichern und im Grundwasser und verknüpfen diese mit großskaligen Klimamustern. Auf dieser Basis lassen sich Trocken- und Dürreperioden in manchen Fällen Wochen bis Monate im Voraus abschätzen. Laut einer Aussendung des Austria Center Vienna können Entscheidungsträger in wasserlimitierten Regionen damit ihre wasserwirtschaftlichen Maßnahmen gezielter planen – von der Bewirtschaftung von Reservoirs bis zur Vorbereitung auf erhöhte Waldbrandgefahr.
Forschende sehen insbesondere bei mittelfristigen oder „saisonalen“ Prognosen spürbare Fortschritte. Während kurzfristige Wettervorhersagen vor allem auf dem aktuellen Zustand der Atmosphäre beruhen, stützen sich längerfristige Einschätzungen auf umfangreichere Klimamodelle, etwa zur Kopplung von Ozeanen und Atmosphäre. Die Vorhersagegüte ist hier nach Einschätzung von Experten wie dem Hydrologen Günter Blöschl zwar weiterhin deutlich geringer als bei Tages- oder Wochenprognosen, doch es werde intensiv an einer Verbesserung gearbeitet. Ereignisse wie großflächige Trockenheit, die derzeit auch Waldbrände in Süd- und Westösterreich begünstigt, überraschen die Fachwelt daher nicht – ihre genaue zeitliche und räumliche Entwicklung bleibt aber eine Herausforderung.
Zentral für den weiteren Fortschritt ist nach Ansicht von Forschern wie Christof Lorenz vom Karlsruher Institut für Technologie die digitale Transformation der Geowissenschaften. Offene Daten, nachvollziehbare Methoden und frei zugängliche Ergebnisse sollen es erleichtern, Modelle zu überprüfen, weiterzuentwickeln und in der Praxis anzuwenden. Der Wasserkreislauf reguliert nicht nur das Klima, sondern beeinflusst auch Ökosysteme, Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung. Je früher sich Veränderungen durch verbesserte Analysetools abbilden lassen, desto eher können Behörden und Unternehmen auf Dürre, Starkniederschläge und Hochwasser mit angepassten Strategien reagieren.
Die Artenvielfalt von Taufliegen (Drosophila) im Raum Wien ist in den vergangenen drei Jahrzehnten massiv eingebrochen. Forschende des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien berichten, dass die Zahl der in der Stadt nachgewiesenen Arten im Vergleich zu einer Erhebung aus dem Jahr 1994 um rund 50 Prozent gesunken ist. Die Ergebnisse, die nun im Fachjournal „Ecology and Evolution“ veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass vormals häufige Arten durch zugewanderte Taufliegen verdrängt worden sein könnten.
Grundlage der aktuellen Analyse ist das Citizen-Science-Projekt „Vienna City Fly“, das 2024 einfache Fliegenfallen an freiwillige Laienforscher in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland verteilte. Die zurückgesandten Proben wurden für die nun publizierte Studie gezielt auf Fänge in unmittelbarer Nähe menschlicher Siedlungen beschränkt – also auf Innenräume, Balkone und Gärten. Damit liegt ein detailliertes Bild jener Drosophila-Gemeinschaft vor, die besonders eng an vom Menschen geprägte Lebensräume gebunden ist.
Insgesamt wurden mehr als 18.000 Taufliegen gesammelt und taxonomisch bestimmt; dabei identifizierte das Team um NHM-Forscher Martin Kapun 13 Drosophila-Arten. Bemerkenswert ist der Nachweis zweier Arten, die bislang in Österreich nicht registriert waren: Drosophila (D.) mercatorum und D. virilis. D. mercatorum ist ursprünglich in den USA, Mexiko und Südamerika verbreitet und wurde im vergangenen Jahrhundert nach Europa eingeschleppt, D. virilis stammt aus Asien und hat sich erst seit relativ kurzer Zeit über die nördliche Hemisphäre ausgebreitet.
Die Zusammensetzung der Populationen zeigt eine deutliche Verschiebung hin zu wenigen dominanten Generalisten. D. mercatorum mit rund 8.800 Nachweisen und die Modellorganismus-Art D. melanogaster mit etwa 6.700 Funden waren die mit Abstand häufigsten Spezies in den Proben. „Dominiert wird die Drosophila-Population im Wiener Stadtgebiet von Generalisten mit starker Affinität zum Menschen“, erklärte Kapun der Austria Presse Agentur zufolge. Die Ergebnisse unterstreichen, dass zunehmende Verbauung und die starke Prägung durch menschliche Siedlungen mit einem Rückgang der Biodiversität einhergehen können – auch bei unscheinbaren Insekten, die als wichtige Indikatoren für den Zustand urbaner Ökosysteme gelten.