In französischen Großstädten kam es am Samstag zu massiven Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und den Zustand der Schulen. Die Behörden erwarteten mehrere Hunderttausend Teilnehmende, wobei bereits am Vormittag laut Innenministerium landesweit 15.000 Menschen an den Kundgebungen teilnahmen. Aufgerufen zu den Protesten hatten Gewerkschaften, Schüler- und Studierendenorganisationen sowie die Bewegung der Gelbwesten.
Die Sicherheitsvorkehrungen waren aufgrund befürchteter Gewalt gegen öffentliche Gebäude und Plünderungen extrem hoch. Rund 70.000 Polizeikräfte waren an diesem dritten großen Protesttag im Einsatz, nachdem der erste landesweite Termin am 17. Oktober stattgefunden hatte. In Paris und anderen Städten wurden die Routen daher bewusst an den Stadtrand verlegt, um das Zentrum zu schützen.
Innenminister Laurent Nuñez warnte vor einem Tag mit „sehr großem Risiko“ und verwies auf „äußerst beunruhigende Aufrufe“ zu Ausschreitungen. Die Behörden befürchteten zudem, dass das zeitgleiche Halloween-Fest als Tarnung durch Maskierungen für Straftaten genutzt werden könnte. Infolgedessen wurden in mehreren Städten Ausgangsbeschränkungen für Minderjährige oder bestimmte Orte verhängt.
Politische Figuren wie der Präsidentschaftskandidat der Linken, Jean-Luc Mélenchon, beteiligten sich in Paris an den Protesten. Während das Innenministerium die Lage zunächst als ruhig beschrieb, kam es am Samstagnachmittag in Lyon bereits zu ersten Einsätzen mit Tränengas. Bis 14 Uhr waren landesweit 27 Festnahmen registriert worden, während die Studierendenorganisation Unef via Plattform X betonte, die Forderungen unabhängig vom Ort durchzusetzen.



