Das Wiener Holzbau-Scale-up Gropyus hat für mehrere seiner Tochtergesellschaften Insolvenzanträge im Wege eines Regelverfahrens gestellt. Auslöser für diesen Schritt ist laut Unternehmensangaben ein akuter Liquiditätsengpass, da eine vertraglich vereinbarte und bereits fällige Investorenfinanzierung nicht wie geplant ausgezahlt wurde. Eine Überbrückung durch die bestehenden Gesellschafter reichte nicht aus, um alle betroffenen Gesellschaften zu stützen. Die Muttergesellschaft Gropyus AG ist von den Anträgen hingegen nicht betroffen.

Gründer und CEO Philipp Erler bezeichnet die Anträge nicht als Rückzug, sondern als aktiven Schritt, um die vorhandene Substanz zu sichern und das Unternehmen neu aufzustellen. Sanierungs- und Finanzierungskonzepte liegen bereits vor, und Erler strebt an, weit fortgeschrittene Gespräche mit Investoren noch vor der Eröffnung der Verfahren abzuschließen. Das erklärte Ziel des Managements ist es, Gropyus gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen zu lassen.

Das 2019 von Philipp Erler, Markus Fuhrmann und Bernd Oswald gegründete Unternehmen setzt auf die serielle Fertigung von Mehrfamilienhäusern in Holzbauweise. In einer hochautomatisierten Fabrik in Richen, Baden-Württemberg, produzieren rund 50 Roboter Wand- und Deckenelemente, die vor Ort montiert werden. Mit insgesamt 550 Mitarbeitern an den Standorten Wien, Berlin, Richen und Steinhaus bedient Gropyus Kunden wie die Buwog, für die unter anderem Wohnungen in Berlin und Salzburg entstehen.

Finanziell galt Gropyus als eines der am stärksten kapitalisierten Startups Österreichs mit insgesamt mehr als 400 Millionen Euro an Eigenkapital. Der Immobilienkonzern Vonovia stieg 2023 mit 100 Millionen Euro ein; seine Tochter Buwog hält heute rund 25 Prozent der Anteile. Weitere Tranchen von 100 Millionen Euro folgten 2024 sowie eine geplante Zahlung im März 2026. Eine Profitabilität wurde im Idealfall für 2027, spätestens jedoch für 2028 angestrebt.

Die jüngsten Zahlen der Gropyus AG zeigen jedoch operative Herausforderungen: Für 2025 wurde ein operatives Minus von 12,9 Millionen Euro ausgewiesen, nachdem es im Vorjahr noch minus 23,6 Millionen Euro waren. Der Umsatz der AG sank von 11,2 auf 7,9 Millionen Euro. Während die Bilanzsumme auf 318,9 Millionen Euro stieg, sank die Eigenkapitalquote von 82,1 auf 69,5 Prozent, was unter anderem auf die Ausweisung von Wandeldarlehen als Fremdkapital zurückzuführen ist.

Zusätzlich war das Unternehmen durch einen langjährigen Rechtsstreit mit dem ehemaligen Investor Florian Fritsch belastet, wobei es um rund 13 Prozent der Anteile ging. Die Gründer hatten Fritsch vorgeworfen, sie über seine Finanzkraft getäuscht zu haben. Ende 2024 gerieten Fritschs Beteiligungsfirmen in die Insolvenz, und im März 2025 wurde Fritsch in Deutschland unter anderem wegen des Vorwurfs des schweren Betrugs festgenommen.