Initiativen, die sich bundesweit für Demokratie und gegen Rechtsextremismus engagieren, registrieren nach einer neuen Auswertung der Amadeu Antonio Stiftung zunehmenden Druck von rechts. Der Report mit dem Titel „Feindbild Zivilgesellschaft“ dokumentiert für das vergangene Jahr 112 Vorfälle – von Kampagnen gegen Vereine bis hin zu offenen Bedrohungen. Ziel dieser Aktivitäten sei es, „gesellschaftliches Engagement komplett zum Erliegen zu bringen“, sagte Lea Lochau, Rechtsextremismusexpertin der Stiftung.
Den Angaben zufolge entfallen 56 der erfassten Vorfälle auf ostdeutsche Bundesländer, 14 weitere auf Berlin. 42 Fälle registrierte die Stiftung in Westdeutschland. Grundlage sind Medienberichte; die Autoren gehen von einer erheblichen Dunkelziffer aus. In die Zählung fließen „politische Interventionen“ wie Diffamierungskampagnen in sozialen Netzwerken oder Parlamenten ebenso ein wie „gewaltbezogene Angriffe“, darunter Bedrohungen auf der Straße oder tätliche Übergriffe etwa auf Jugendzentren.
Die 1998 gegründete Amadeu Antonio Stiftung engagiert sich nach eigenen Angaben gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus und befindet sich seit Jahren im Konflikt mit der AfD. Ende 2025 beantragte die Partei im Bundestag, der Stiftung wegen „möglicher Verbindungen in ein politisch extremes Umfeld“ alle staatlichen Mittel zu entziehen. Parallel ist die Organisation von Einschnitten beim Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ betroffen, die Familienministerin Karin Prien (CDU) angekündigt hat. Die geplanten Kürzungen treffen damit just jene Strukturen, die nach Darstellung des Reports verstärkt unter Druck geraten.
Aus Sicht der Stiftung versuchen rechte Akteure, staatlich geförderte Projekte gezielt als „links“ oder „extrem“ zu brandmarken, um ihre Legitimität infrage zu stellen. In dem 16-seitigen Papier heißt es zugleich, weniger als zwei Prozent der zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland verstünden sich überhaupt als Akteure politischer Willensbildung. Der weit überwiegende Teil sei in Feldern wie Jugendarbeit, Beratung oder Bildungsarbeit aktiv. Die Stiftung warnt, anhaltende Diffamierung und finanzielle Unsicherheit könnten das Engagement vor Ort schwächen – mit Folgen für demokratische Teilhabe weit über die direkt betroffenen Projekte hinaus.

Die Austria Presse Agentur (APA) steigt mit einem eigenen KI-Sprachmodell in die Riege technischer Plattformanbieter im Mediensektor auf. Gemeinsam mit der AI Factory Austria AI:AT hat die Nachrichtenagentur „AustroBERT“ entwickelt, ein Modell der BERT-Familie, das ausschließlich auf APA-Agenturmeldungen trainiert wurde. Ziel ist zunächst die automatisierte Kategorisierung von Medientexten – ein Kernbaustein für Such- und Empfehlungssysteme, Archivierung und Analyse im redaktionellen Alltag.
Das Projekt wurde im Rahmen des FFG-Forschungsprogramms FAIRmedia umgesetzt und soll laut APA die technologische Auswahl an BERT-Systemen im deutschsprachigen Raum, insbesondere in Österreich, erweitern. Weil das Modell auf „sauberen, lizenzrechtlich einwandfreien Daten“ basiert, sieht die Agentur darin einen Beitrag zur Informations- und Technologiesouveränität. „AustroBERT“ wird unter einer wissenschaftlichen Lizenz veröffentlicht und steht damit Forschungs- und Bildungseinrichtungen kostenlos zur Verfügung. Medienunternehmen können Technologie und Modell zudem als kooperative Infrastruktur über die APA nutzen.
Eine der größten Hürden in der Entwicklung war der Zugriff auf genügend GPU-Ressourcen für ausreichend viele Trainingsläufe. Hier kam AI:AT ins Spiel: Die Organisation stellte einen professionell organisierten Zugang zur Infrastruktur des European High Performance Computing Joint Undertaking (EuroHPC) bereit. „AustroBERT“ gilt damit als Beispiel dafür, wie die europäische „AI Factories Initiative“ Hochleistungsrechner für konkrete Anwendungen in der Medienbranche nutzbar macht.
Aufbauend auf den Erfahrungen mit „AustroBERT“ plant die APA nach eigenen Angaben weitere Schritte: Vorgesehen ist die Entwicklung eines Small Language Model speziell für journalistische Anwendungsfälle; perspektivisch sollen auch größere Modellansätze geprüft werden. Für den österreichischen Medienmarkt markiert „AustroBERT“ damit nicht nur einen technologischen Testlauf, sondern auch den Versuch, eigene Standards und Infrastrukturen im wachsenden KI-Ökosystem zu etablieren.