Studie: Selbst Nicht-Künstler liefern bessere Zeichnungen als KI-Modelle

30.03.2026


Künstliche Intelligenz hat in den vergangenen Jahren bei Sprachverarbeitung und Fotogenerierung rasant aufgeholt. In einem Bereich bleibt sie jedoch deutlich zurück: beim künstlerisch-kreativen Zeichnen. Das zeigt eine im Fachjournal „Advanced Science“ veröffentlichte Studie eines Forschungsteams der Universität Barcelona mit Beteiligung von Wissenschaftern der Universität Wien. In standardisierten Zeichenaufgaben schnitten Menschen klar besser ab als ein KI-System – selbst Personen ohne künstlerische Ausbildung lagen vor den Algorithmen.

Die Forscherinnen und Forscher um Erstautorin Silvia Rondini und Co-Studienleiter Xim Cerdá-Company untersuchten, wie gut generative KI mit visuell-kreativen Aufgaben zurechtkommt. Während große Sprachmodelle und Bildgeneratoren in vielen Anwendungsfeldern Ergebnisse erzielen, die mit menschlichen Leistungen vergleichbar sind, sei das Potenzial der Systeme beim Zeichnen bislang kaum empirisch analysiert worden, schreiben die Autoren. Aus Wien waren unter anderem Paula Angermair Barkai und Matthew Pelowski von der Fakultät für Psychologie beteiligt.

Für das Experiment erhielten unterschiedliche Gruppen identische, stark reduzierte visuelle Reize: meist einzelne oder wenige Linien auf weißem Hintergrund, die als Ausgangspunkt für Zeichnungen dienten. Insgesamt nahmen 272 bildende Künstlerinnen und Künstler sowie 276 Personen ohne künstlerische Ausbildung teil. Parallel wurden ein mit menschlichen Zeichnungen trainiertes KI-System unter zwei Bedingungen – einmal mit menschlicher Unterstützung, einmal als autonomer Agent – denselben Aufgaben ausgesetzt. Die so entstandenen Bilder wurden anschließend bewertet, wobei das Urteil „sehr eindeutig pro Mensch“ ausfiel.

Die Ergebnisse sind in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen zeigen sie, dass selbst laienhafte Zeichnerinnen und Zeichner das KI-System im kreativen Umgang mit minimalen visuellen Stimuli übertreffen. Zum anderen deuten die Resultate darauf hin, dass der aktuelle Vorsprung generativer Modelle in text- und fotobasierten Anwendungen nicht ohne Weiteres auf alle Formen kreativer Produktion übertragbar ist. Für die weitere Entwicklung von KI in künstlerischen Bereichen bleibt damit offen, wie sich Algorithmen an Aufgaben annähern können, die stark von menschlicher Vorstellungskraft, Kontextdeutung und ästhetischer Intuition geprägt sind.

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Wiener und Männer besonders betroffen: Wer in Österreich am meisten mit Handy-Problemen kämpft

30.03.2026


Für die meisten Menschen in Österreich ist das Smartphone zum allgegenwärtigen Begleiter geworden – und zunehmend zur Frustquelle. Einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Anbieters für digitale Barrierefreiheit Accessiway zufolge berichten 80 Prozent der Befragten von digitalen Hürden bei der Nutzung von Websites und Apps am Handy. Damit klagt eine klare Mehrheit über Probleme im mobilen Alltag, obwohl der Markt weitgehend durchdrungen ist: 89 Prozent der über 15-Jährigen besitzen bereits ein Smartphone.

Besonders häufig genannt werden störende Design- und Bedienfehler: Zu viele und schwer schließbare Pop-up-Fenster, umständliche Eingabeprozesse, unübersichtliche Menüführungen, zu kleine Bedienflächen sowie Inhalte, die sich nicht sauber an die Displaygröße des Smartphones anpassen. Rund 28,4 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer stoßen auf eine verwirrende Navigation, 19,2 Prozent auf zu kleine Schaltflächen, 17,3 Prozent auf mangelnde Optimierung für den Smartphone-Bildschirm. All das erschwert aus Sicht der Befragten den Zugang zu digitalen Angeboten und macht Routineaufgaben mühsam.

Die Analyse, durchgeführt von Marketagent unter 1.000 Österreicherinnen und Österreichern, zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Menschen mit Matura scheitern demnach häufiger an digitalen Hürden als jene ohne höheren Schulabschluss. Überdurchschnittlich betroffen sind laut der Auswertung auch Männer sowie Nutzerinnen und Nutzer in Wien. Die sogenannten Babyboomer, geboren zwischen Mitte der 1950er- und Ende der 1960er-Jahre, bringen zwar vergleichsweise viel Geduld für lange Ladezeiten mit, ärgern sich aber besonders über zu kleine Schriftgrößen.

Aus Sicht von Accessiway sind die Ergebnisse ein Signal an Unternehmen und Betreiber digitaler Angebote. „Die Zukunft des Internets ist mobil“, sagte Paul Anton Mayer. Dass Websites und Apps in Österreich dennoch in ihren Mobilversionen „voller digitaler Barrieren“ seien, führe dazu, dass Menschen von digitaler Teilhabe ausgeschlossen würden und Firmen auf potenzielle Kundschaft verzichteten. Die Umfrage legt nahe, dass nicht fehlende Geräte, sondern mangelhafte mobile Nutzbarkeit zu einem zentralen Risiko für Reichweite und Umsatz im heimischen Digitalgeschäft geworden ist.