
Mercedes-Benz bekommt den Einbruch auf dem für den Konzern zentralen chinesischen Markt deutlich zu spüren, kann den Rückgang aber teilweise durch stark steigende Verkäufe von Elektroautos abfedern. Im dritten Quartal 2026 setzte der Stuttgarter Autobauer weltweit 407.200 Pkw ab. Das entsprach einem Minus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, wie das Unternehmen mitteilte. Außerhalb Chinas legte der Absatz zugleich um ein Prozent zu und unterstreicht, dass die Schwäche vor allem regional begrenzt ist.
Besonders schmerzhaft ist der Einbruch in der Volksrepublik: In China gingen die Verkäufe um 31 Prozent zurück. Mercedes verweist auf ein weiterhin schwieriges Marktumfeld und intensiven Wettbewerb. Der Konzern trifft damit auf einen Markt, in dem lokale Hersteller und internationale Wettbewerber mit aggressiven Preisen und einem breiten Elektroauto-Angebot um Kunden ringen. Die Rückgänge in China setzen eine Entwicklung fort, bei der die Pkw-Verkäufe der Marke mit dem Stern bereits seit einiger Zeit unter Druck stehen.
Gleichzeitig meldet Mercedes bei vollelektrischen Pkw ein Rekordquartal. Weltweit verkaufte der Konzern 68.400 reine E-Autos – ein Plus von 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In Europa kletterte der Absatz vollelektrischer Fahrzeuge sogar um 78 Prozent. Inzwischen ist nach Unternehmensangaben jeder dritte in Europa verkaufte Mercedes-Benz Pkw ein reines Elektroauto. "Das zeigt: Unsere Modelloffensive ist in vollem Gange", sagte Vertriebschef Mathias Geisen. Damit rückt die Elektrosparte zunehmend in die Rolle eines strategischen Wachstumstreibers.
Auf Jahressicht bleibt der Konzern dennoch hinter früheren Volumina zurück. Nach stagnierenden Verkäufen im Jahr 2023 sank der Absatz 2024 um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2025 verkaufte Mercedes etwas mehr als 1,8 Millionen Pkw, was einem Rückgang von neun Prozent im Vergleich zu 2024 entsprach. Mittelfristig soll die Pkw-Sparte wieder auf rund zwei Millionen Fahrzeuge kommen. Wann das Ziel erreicht wird, lässt das Management offen – klar ist nur, dass es nicht 2027 so weit sein soll, sondern erst später in diesem Jahrzehnt. Vor diesem Hintergrund wächst die Bedeutung der Elektrooffensive, um das schwächelnde traditionelle Geschäft auszugleichen.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) holen den Bahnhofskomplex Wien-Mitte nach rund zwei Jahrzehnten wieder vollständig in den eigenen Konzern zurück. Der Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG hat dem Rückkauf des Areals, das 2005 an die damalige BA/CA-Gruppe verkauft worden war, zugestimmt. Verkäufer ist nun eine Investorengruppe unter Führung von Morgan Stanley Real Estate Investing. Neben den Bahnanlagen umfasst die Transaktion auch das Einkaufszentrum "The Mall" sowie umfangreiche Büroflächen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart; der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung und ist für Ende Dezember geplant.
Mit der Übernahme würden Immobilie und Bahninfrastruktur erstmals seit mehr als zwanzig Jahren wieder in einer Hand zusammengeführt. Wien-Mitte ist gemessen an den Fahrgastzahlen der viertgrößte Bahnhof Österreichs und ein zentraler Verkehrsknoten, an dem sich S-Bahn, mehrere U-Bahn-Linien sowie der Flughafenzug CAT treffen. Täglich halten nach Angaben der ÖBB fast 600 Züge an dem Standort. Bahnanlagen und Gebäude seien baulich und technisch eng miteinander verbunden, heißt es. Künftige Änderungen an Zugängen, Stiegen, Belüftung oder Leitungen müssen damit nicht mehr mit einem externen Immobilieneigentümer abgestimmt werden.
Die ÖBB sehen in dem Rückkauf einen strategischen Schritt, um die Entwicklung des Standorts aus einer Hand zu steuern. Das soll zusätzlichen Handlungsspielraum für die kommenden Jahrzehnte schaffen, in denen die derzeit modernisierte S-Bahn-Stammstrecke mehr Züge aufnehmen soll. Die Funktion des Standorts als Bahnhof soll nach Angaben des Unternehmens wieder stärker im Namen, an den Zugängen und in der architektonischen Gestaltung zum Ausdruck kommen. Für die bestehenden Mietverhältnisse im Einkaufszentrum und in den Büros kündigte die ÖBB an, dass diese unverändert weitergelten.
Wien-Mitte blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Der Standort wurde 1848 als Bahnhof Hauptzollamt eröffnet und ging 1934 in das Eigentum der Bahn über. Ab den späten 1950er-Jahren entstanden über den Gleisen unter anderem ein Bürotrakt und eine Markthalle, bevor die Liegenschaft 2005 veräußert wurde. Die spätere Entwicklung des Areals war von intensiven öffentlichen Debatten begleitet, unter anderem wegen geplanter Hochhäuser mit bis zu 97 Metern Höhe und der Diskussion um mögliche Auswirkungen auf den UNESCO-Welterbestatus. Mit der nun geplanten Re-Integration in den ÖBB-Konzern verknüpft das Unternehmen die Aussicht, die verkehrliche Rolle des Standorts und die bauliche Entwicklung langfristig aufeinander abzustimmen.