
Die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt setzt die CDU bundesweit unter Druck. Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete den Vorgang bei einer Veranstaltung des „Handelsblatts“ in Berlin als „historischen Einschnitt“ und erklärte, die Entscheidung sei „nicht mit den Werten der CDU vereinbar“. Rausch war am Vortag mit mehr Stimmen gewählt worden, als AfD und BSW gemeinsam angekündigt hatten – der AfD-Abgeordnete selbst geht von Unterstützung aus der CDU aus.
Merz verwies auf den Charakter der geheimen Wahl und betonte, man wisse nicht, von wem die zusätzlichen Stimmen stammten. Zugleich stellte er klar, jeder, der einen Abgeordneten einer rechtsextremen Partei zum Landtagspräsidenten wähle, müsse dies mit seinem Gewissen vereinbaren. Innerparteilich verschärft die Wahl damit die Debatte über den Kurs der Union gegenüber der AfD, nachdem in Magdeburg neben Rausch auch dessen Fraktionskollege Hans-Thomas Tillschneider als Vizepräsident gewählt wurde. Ein weiterer Vizeposten bleibt vorerst unbesetzt, weil der SPD-Kandidat Armin Willingmann durchfiel; als dritter Vize wurde der CDU-Abgeordnete Carsten Borchert gewählt.
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sprach von einem „politisch-historischen Einschnitt“ für Deutschland und einem „schweren Schlag“ für die freiheitlichen Werte der Christdemokraten. Erstmals stelle mit der AfD in Sachsen-Anhalt eine rechtsextreme Partei den Präsidenten eines Landtages in der Geschichte der Bundesrepublik, sagte sie den Funke-Medien. Für die CDU sei klar, dass die Unterstützung einer extremistischen Partei oder einer von ihr geführten Regierung nicht mit den eigenen Grundsätzen vereinbar sei. Hoppermann forderte zugleich Aufklärung, wie es zu der unerwarteten Stimmenmehrheit für Rausch kommen konnte, verwies aber ebenfalls auf die Grenzen geheimer Abstimmungen.
Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther verschärfte den Ton in der unionsinternen Auseinandersetzung. „Für uns gilt ausnahmslos: keine Zusammenarbeit mit Rechtsextremisten“, erklärte er auf Instagram. Sollte jemand aus den Reihen der Union an der Wahl der AfD-Vertreter ins Landtagspräsidium mitgewirkt haben, habe er oder sie „nicht nach den Werten der Union gehandelt“. Günther forderte seine Partei auf, Wort und Tat in Einklang zu bringen: „Aufrecht ist, wer auch in der Wahlkabine zu seinem Wort steht – gerade dann, wenn niemand hinsieht.“ Die politische Mitte habe „mehr denn je die verdammte Pflicht“, die Probleme des Landes gemeinsam zu lösen, so der Regierungschef, der in Kiel eine schwarz-grüne Koalition führt.
Die Vorgänge in Magdeburg bleiben damit nicht auf Sachsen-Anhalt begrenzt, sondern entwickeln sich zu einem bundesweit beachteten Testfall für die Abgrenzungsstrategie der Union. Während SPD-Vertreter bereits öffentlich Stellungnahmen von Merz eingefordert und mit symbolischen Aktionen wie einem Protestmarsch vom Brandenburger Tor zum Bebelplatz Druck aufgebaut haben, ringt die CDU darum, wie sie innerparteilich mit möglichen Abweichlern und der Forderung nach Aufklärung einer geheimen Wahl umgeht. In den Landtagsfraktionen soll nun geklärt werden, ob und in welchem Umfang sich der Ablauf rekonstruieren lässt – und welche Konsequenzen die Partei daraus ziehen will.
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Mercedes-Benz verzeichnet ein zunehmend zweigeteiltes Bild seiner weltweiten Fahrzeugverkäufe. Während die Konzernzahlen im dritten Quartal 2026 global rückläufig waren, meldet die Indien-Tochter ein Rekordquartal. In Indien setzte Mercedes-Benz im Zeitraum Juli bis September 5.422 Fahrzeuge ab, ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und zugleich der beste Quartalswert in der Geschichte des Unternehmens im Land. Von Januar bis September summierten sich die Verkäufe dort auf 15.190 Einheiten, rund 8 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Auf Konzernebene dagegen schrumpften die Auslieferungen im gleichen Quartal. Weltweit setzte Mercedes-Benz 491.700 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ab, ein Minus von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Pkw-Geschäft allein sanken die globalen Verkäufe um 8 Prozent auf 407.200 Einheiten. Besonders belastend wirkte die Entwicklung in Asien und hier vor allem in China: In der Volksrepublik gingen die Pkw-Verkäufe um knapp ein Drittel auf 86.800 Fahrzeuge zurück, konzernweit meldete der Hersteller für Asien ein Minus von 25 Prozent auf 132.300 Autos. Ein Zuwachs in Europa und Nordamerika reichte nicht aus, um die Schwäche in China zu kompensieren.
Kontrastreich präsentiert sich auch das Bild in den oberen Preissegmenten. In Indien trugen Top-End-Luxusmodelle – darunter S‑Klasse, Mercedes‑Maybach, EQS Maybach SUV, G‑Klasse, V‑Klasse und AMG‑Modelle – maßgeblich zum Wachstum bei: Diese Klasse legte dort im Jahresvergleich um mehr als 13 Prozent zu und kam auf über ein Viertel des Gesamtabsatzes. Innerhalb dieses Segments nutzten laut Unternehmen fast drei Viertel der Kunden das MANUFAKTUR‑Personalisierungsprogramm. Die Performance-Marke AMG steigerte ihre Auslieferungen in Indien um mehr als 18 Prozent, das AMG G 63 erzielte den höchsten monatlichen Absatz seit Markteinführung. Global hingegen verzeichnete Mercedes-Benz im teuersten Segment aus S‑Klasse, Maybach und AMG ein deutliches Minus von gut 20 Prozent im dritten Quartal.
Stärker als die Verbrenner legten weltweit die batterieelektrischen Modelle zu. Vertriebs- und Marketingvorstand Mathias Geisen sprach von dem höchsten Quartalsabsatz vollelektrischer Pkw in der Unternehmensgeschichte; in Europa war nahezu jedes dritte verkaufte Auto rein elektrisch. Der elektrische GLC trug dabei überproportional zum Wachstum bei und vervielfachte seine Verkäufe gegenüber dem zweiten Quartal. In Indien setzt der Konzern seinen Fokus ebenfalls auf Elektrifizierung: Dort stehen die Markteinführung einer elektrifizierten S‑Klasse mit Auslieferungsstart Mitte Oktober sowie die Premiere des GLC BEV Anfang November an, die das Portfolio am Subkontinent weiter ausbauen sollen.
Die Transportersparte Vans erwies sich zuletzt als Stabilitätsanker. Mit einem Plus von 1 Prozent auf 84.400 Fahrzeuge hielt sich das Segment im dritten Quartal nahezu auf Vorjahresniveau. Insgesamt aber bleibt der Druck auf das Kerngeschäft hoch, da der Wettbewerb im wichtigen Markt China nach Konzernangaben intensiv und das Umfeld weiterhin schwierig ist. In dem Land gehören der GLC und die E‑Klasse zu den meistverkauften Baureihen des Herstellers und machen dort fast zwei Drittel der Pkw-Verkäufe aus. Die anhaltende Schwäche in China, die bereits im zweiten Quartal mit einem Absatzminus von rund 30 Prozent sichtbar war, unterstreicht für Mercedes-Benz die Bedeutung eines breiter diversifizierten Wachstums – mit Märkten wie Indien, in denen das Premium- und Luxusgeschäft derzeit gegensätzlich zum Trend zulegt.