Nach mehr als zwei Jahrzehnten steht die Europäische Union vor der Überarbeitung der Tiertransportverordnung, doch die Umsetzung droht an politischen Differenzen zu scheitern. Während die EU-Kommission bereits zaghafte Verbesserungen vorschlug, gibt es nun Bestrebungen innerhalb des EU-Rats, diese Standards erneut zu schwächen. Tierschützer warnen, dass eine historische Chance, das Leid von Millionen von Nutztieren zu verringern, verpasst wird.
Im Zentrum des Konflikts stehen die maximal zulässigen Transportzeiten für Schlachttiere. Während der ursprüngliche Vorschlag der EU-Kommission eine Begrenzung auf neun Stunden vorsah, sieht ein Entwurf der Ratspräsidentschaft weiterhin deutlich längere Transporte von bis zu 31 Stunden vor. Diese Diskrepanz verdeutlicht die Spannung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Platzbedarf und Versorgung einerseits und wirtschaftlichen Interessen andererseits.
Mehrere Organisationen, darunter VIER PFOTEN, der Verein gegen Tierfabriken (VGT) sowie der Verein „Freunde der Tierecke“ der „Krone“, reagierten mit einem offenen Brief an die österreichische Bundesregierung. Sie fordern von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Ministerin Korinna Schumann und Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, im EU-Rat ein massives Veto gegen die Verwässerung der Reform einzulegen.
Die Forderungen stützen sich auf eine breite gesellschaftliche Basis, da knapp 80 Prozent der EU-Bürger Tiertransporte als unnötiges Tierleid betrachten. Die Aktivisten betonen, dass die bestehenden Missstände durch Bilder erschöpfter und verendeter Tiere auf europäischen Straßen seit Jahrzehnten belegt seien. Ohne eine grundlegende Reform bleibe die Situation für Rinder, Schweine und Kälber prekär.



