Führende Unionspolitiker aus Bayern, Thüringen und Sachsen erhöhen in der Debatte um hohe Kraftstoffpreise den Druck auf die Bundesregierung. Die Fraktionsvorsitzenden Klaus Holetschek (CSU), Andreas Bühl (CDU) und Christian Hartmann (CDU) fordern ein sofortiges Aussetzen der CO₂-Bepreisung auf Benzin und Diesel sowie eine Entlastung über die Energiesteuer. Angesichts „extrem hoher“ Spritkosten sei die Belastung für Bürger und Unternehmen nicht mehr akzeptabel, wenn staatlich gesetzte Preisbestandteile die Kosten zusätzlich in die Höhe trieben, argumentieren die drei Landesfraktionschefs.
Die Forderungen aus den Ländern gehen deutlich über die bislang diskutierten Maßnahmen in Berlin hinaus. Die Task Force der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD zu den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges prüft zwar eine Reihe von Entlastungsoptionen – darunter eine befristete Senkung der Energie- und Stromsteuer, Erleichterungen über die Kfz-Steuer sowie einen Spritpreisdeckel. Eine Aussetzung des CO₂-Preises gehört jedoch nicht zu den offiziellen Prüfaufträgen. Unions-Vizefraktionschef Sepp Müller, der die Task Force gemeinsam mit SPD-Fraktionsvize Armand Zorn leitet, hatte über Ostern vor allem für gezielte Entlastungen über die Kfz-Steuer geworben.
Holetschek, Bühl und Hartmann halten solche langfristig wirkenden Instrumente wie auch eine Anhebung der Pendlerpauschale, für die sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche offen gezeigt hat, für unzureichend, um kurzfristig spürbare Effekte zu erzielen. „Wenn schon ein zweistelliger Centbetrag pro Liter für den CO₂-Preis abfließt, dann haben wir hier einen Hebel“, so Holetschek. Das gelte ebenso für die Energiesteuer. Entscheidend sei, dass die Preise an den Zapfsäulen rasch und deutlich sinken. Die Fraktionschefs wollen nach eigenen Angaben zeitnah entsprechende Anträge in ihren Landtagen einbringen und erwarten vom Bund eine schnelle Stellungnahme.
Besonders betroffen von den hohen Treibstoffkosten seien nach Einschätzung der Unionspolitiker Handwerksbetriebe, ambulante Pflegekräfte, Logistiker, Lieferdienste, Außendienstmitarbeiter sowie kleine und mittlere Unternehmen. Deutschland sei ein „Autofahrerland“, weshalb bezahlbare Mobilität für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zentral sei. Zugleich dringen die Landesfraktionsvorsitzenden auf eine genaue Analyse der Preisbildung an den Tankstellen. Wenn die Preise über längere Zeit auf hohem Niveau verharrten, müsse geprüft werden, welchen Anteil Marktmechanismen und welches Verhalten der Mineralölkonzerne daran haben. Auf Bundesebene wiederum fordern die Koalitionsfraktionen von der Regierung bis spätestens Freitag eine Bewertung der laufenden Prüfaufträge zu Entlastungsmaßnahmen, während Finanzminister Lars Klingbeil bei der EU-Kommission auf eine Form von Übergewinnsteuer drängt.

Die auf Sahnebasis-Produkte spezialisierte QimiQ Handels GmbH mit Sitz in Hof bei Salzburg ist insolvent und versucht sich in einem gerichtlichen Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung zu stabilisieren. Das Landesgericht Salzburg eröffnete am Dienstag das Verfahren über das Vermögen des Unternehmens, das seine Verbindlichkeiten vorläufig mit rund 8,66 Millionen Euro angibt. Laut den Gläubigerschutzverbänden KSV1870, Alpenländischer Kreditorenverband (AKV) und Creditreform sind insgesamt 159 Gläubiger betroffen. Die Passiva stehen einem Gesamtbuchwert des Anlagevermögens von etwa 1,38 Millionen Euro gegenüber, der geschätzte Liquidationswert liegt mit 130.500 Euro jedoch deutlich darunter.
QimiQ vertreibt seit rund 25 Jahren natürliche, fettarme Sahnebasis-Produkte zum Kochen und Backen sowie eine vegane Alternative. Die Produkte sind sowohl im Lebensmittelhandel gelistet als auch in der Lebensmittelindustrie im Einsatz, wo sie an Produktionsbetriebe geliefert werden. Vom Ausfall betroffen sind neben dem Geschäftsführer nur zwei weitere Dienstnehmer, was die Struktur des Unternehmens als schlank und stark produktorientiert erscheinen lässt. Nach Angaben der Gesellschaft reicht das Leistungsangebot von der Rezepturentwicklung bis hin zu kompletten Foodkonzepten für gewerbliche Kunden.
Als Hauptursache für die Insolvenz nennt die Schuldnerin kräftige Milchpreissteigerungen im Zeitraum Juli bis Dezember 2025. Diese hätten die Produktionskosten um rund 15 Prozent erhöht, konnten aber nur zeitverzögert an den Handel weitergegeben werden, was die Margen belastete. Zusätzlich erschwerten nicht realisierte Warenfinanzierungen und Rahmenkredite die Lage, während verspätete Zahlungseingänge internationaler Großkunden zu Engpässen im Cashflow führten. Anfang 2026 verhängte zudem die SalzburgMilch GmbH einen Auslieferstopp, wodurch Waren nicht verfügbar waren und Umsätze ausblieben; intensive Verhandlungen, auch über eine mögliche Beteiligung, scheiterten laut QimiQ im März 2026 endgültig.
Der kumulierte Effekt aus höheren Kosten, ausgefallenen Finanzierungen und blockierten Lieferbeziehungen führte nach Unternehmensangaben zu einem dauerhaften Liquiditätsmangel, der schließlich in Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung mündete. Trotz der angespannten Kennzahlen strebt QimiQ die Fortführung des Betriebs im Rahmen des Sanierungsverfahrens an. Das Unternehmen verweist darauf, dass der Milchpreis inzwischen wieder gesunken sei, was die Kostenseite perspektivisch entlaste. Ob der Traditionsanbieter von Sahnebasis-Produkten und veganen Alternativen damit eine tragfähige Sanierungslösung erzielen kann, wird wesentlich von der Zustimmung der Gläubiger und der weiteren Marktentwicklung abhängen.