Das im Januar 2024 gegründete Wiener Unternehmen spectral design GmbH hat mit der „Structural Solar Façade“ ein System entwickelt, das herkömmliche Fassadenverkleidungen durch energieerzeugende Module ersetzt. Die Gründerinnen Zsuzsa Péter und Anna Gulinska, die das Unternehmen zu gleichen Teilen besitzen, verfolgen den Ansatz, Solaranlagen als ästhetischen Teil der Architektur zu integrieren. Ziel ist es, sowohl Neubauten als auch bestehende Industrie-, Logistik-, Büro- und Wohnhäuser mit minimalem Aufwand energetisch aufzuwerten.
Ein erstes Pilotprojekt ist seit September an einer Eisfabrik in Wien-Brigittenau im Einsatz. Die Anlage umfasst eine Fläche von 24 Quadratmetern mit 32 Dünnschichtmodulen aus Cadmiumtellurid im Format 60 mal 120 Zentimeter. Bei einer Leistung von 1.840 Watt Peak bietet das System eine Transparenz von 50 Prozent, was den Einfall von Tageslicht ermöglicht. Unterstützt wurde das Projekt ideell durch die Sonnenstrom-Offensive der Stadt Wien, während das Ingenieurbüro Bollinger + Grohmann die Statik und Werner Sobek die Detailplanung übernahmen; die Montage erfolgte durch die Montron GmbH.
Das System fungiert neben der Stromerzeugung primär als Sonnenschutz, um Gebäude in heißen Sommern zu beschatten. In einem Marktumfeld mit Wettbewerbern wie Ertex Solar aus Österreich, Megasol aus der Schweiz oder Mitrex aus Kanada setzt Spectral auf eine sichtbare, halbtransparente Konstruktion statt auf optische Imitationen von Stein oder Ziegeln. Die Gründerinnen betonen, dass solche Systeme das Erscheinungsbild von Städten in einer nachhaltigeren Zukunft mitgestalten könnten.
In Bezug auf die Effizienz liegt die Anlage mit rund 77 Watt Peak pro Quadratmeter deutlich unter klassischen kristallinen Silizium-Dachmodulen, die über 200 Watt Peak erreichen. Dieser Unterschied resultiert aus der 50-prozentigen Transparenz und der senkrechten Montage, die zwar weniger Gesamtsonne einfängt, jedoch im Winter bei tiefstehender Sonne Vorteile bietet. Angaben zu den Kosten und Preisen des Systems wurden seitens von Spectral bisher nicht veröffentlicht.



