
Gilead Sciences setzt seinen Übernahme-Kurs in der Onkologie mit einem Milliardenkauf in Deutschland fort. Der US-Pharmakonzern übernimmt das Münchner Biotechunternehmen Tubulis für bis zu fünf Milliarden US‑Dollar. Vereinbart ist eine sofortige Barzahlung von 3,15 Milliarden Dollar, ergänzt um erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen von bis zu weiteren 1,85 Milliarden Dollar. Mit dem Deal sichert sich Gilead den Zugang zu einer Technologie, die als eine der vielversprechendsten Entwicklungen in der modernen Krebstherapie gilt.
Tubulis spezialisiert sich auf sogenannte Antikörper‑Wirkstoff‑Konjugate (Antibody Drug Conjugates, ADCs). Diese Wirkstoffklasse wird in der Branche als eine Art „zielsuchende Rakete“ beschrieben: Antikörper transportieren hochwirksame Chemotherapien direkt in Krebszellen, während gesundes Gewebe möglichst geschont wird. Ziel ist es, Nebenwirkungen klassischer Chemotherapien zu reduzieren und gleichzeitig die Wirksamkeit zu erhöhen. Tubulis arbeitet in diesem Feld bereits mit Gilead zusammen; die firmeneigenen Projekte, darunter das Flaggschiff TUB‑040 sowie TUB‑030, befinden sich in der klinischen Entwicklung, ein Markteintritt steht jedoch noch aus.
Für Gilead ist der Zukauf strategisch eingebettet in eine Serie größerer Akquisitionen, mit denen der Konzern seine Onkologie-Sparte ausbaut und auf drohende Umsatzrückgänge reagiert. Das Unternehmen ist vor allem für seine HIV‑ und Hepatitis‑Therapien bekannt, sieht sich aber mit sinkenden Erlösen aus dem COVID‑19‑Arzneimittel Veklury und bevorstehenden Patentabläufen konfrontiert. Im Februar hatte Gilead bereits den Partner Arcellx für bis zu 7,8 Milliarden Dollar übernommen, im März folgte der Kauf der privat geführten Biotechfirma Ouro Medicines für mehr als zwei Milliarden Dollar. Die Übernahme von Tubulis fügt sich damit in eine Reihe großvolumiger Transaktionen im ADC‑Segment ein, zu denen auch Deals wie Pfizer/Seagen, Gilead/Immunomedics oder AbbVie/Immunogen zählen.
Vom Einstieg Gileads profitiert auch der Hamburger Wirkstoffforscher Evotec. Das Unternehmen hält 3,14 Prozent an Tubulis und rechnet nach eigenen Angaben mit Voraberlösen von rund 100 Millionen Dollar aus dem Verkauf seiner Beteiligung. Zusätzlich könnten Meilensteinzahlungen von bis zu 58 Millionen Dollar hinzukommen. Evotec-Chef Christian Wojczewski bezeichnete die Transaktion als wichtigen Meilenstein für Tubulis und verwies auf das „große Potenzial“ von Antikörper‑Wirkstoff‑Konjugaten für künftig möglicherweise überlegene Krebstherapien. Der Abschluss der Übernahme wird für das zweite Quartal 2026 erwartet und gilt in der deutschen Biotech-Szene bereits jetzt als Signal für die internationale Wettbewerbsfähigkeit heimischer Forschung.

Auf Flächen in der Größe eines Einfamilienhaus-Grundstücks testen Forscherinnen und Forscher, wie sich sogenannte Miniwälder auf das Stadtklima auswirken. In Wien und anderen österreichischen Städten sollen die dicht bepflanzten Areale dazu beitragen, Siedlungsgebiete widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise zu machen. Die Bodenkundlerin Cecilie Foldal vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) sieht in den Kleinstwäldern potenzielle Inseln der Artenvielfalt, die zugleich Lufttemperaturen senken sowie Wasser und Kohlenstoff speichern können. Präsentiert wurden die Arbeiten am Rande des 26. Österreichischen Klimatages, der von 8. bis 10. April in Wien stattfindet.
Die Versuchsanlagen entstehen auf 500 bis 1.000 Quadratmeter großen Flächen, die zuvor meist als karger Rasen genutzt wurden. Statt Einzelbäumen setzen die Teams auf eine hohe Pflanzdichte mit verschiedenen Baum- und Straucharten. Eingesetzt werden unter anderem Silberlinden, Purpurweiden, Ahornbäume und Hopfenbuchen. Hinzu kommen Eschen-Varianten, bei denen die Forschenden davon ausgehen, dass sie resistenter gegen den derzeit verbreiteten Pilzbefall sind. Ergänzt wird die Struktur durch Sträucher wie Weißdorn, Mehlbeere, Kornelkirsche und Quitte sowie diverse Rosenarten als Unterwuchs.
Die Pflanzen werden in Form kostengünstiger Jungware gesetzt, was laut Foldal nicht nur Materialkosten, sondern auch den Pflegeaufwand begrenzt. Nach einer mehrjährigen Phase der Aufzucht sollen die Miniwälder weitgehend ohne regelmäßige Eingriffe der Kommunen auskommen. Das mache das Konzept für Städte und Gemeinden finanziell interessant. Gleichzeitig setzt der Ansatz voraus, dass Anrainerinnen und Anrainer eine weniger „aufgeräumte“ Optik akzeptieren: Ein artenreicher Miniwald erinnere nach einigen Jahren eher an eine „Gstettn“, also ein scheinbar ungepflegtes, stark durchgrüntes Areal.
In Wien, Schwechat und Wiener Neustadt begleitet ein Forschungsteam die Entwicklung der neu angelegten Flächen engmaschig. Beobachtet werden Veränderungen bei der Artenvielfalt von Pflanzen, Vögeln, Nagern, Insekten und Mikroorganismen, aber auch die Menge des in Boden und Biomasse gespeicherten Kohlenstoffs. Zudem steht das Mikroklima im Fokus: Die Messungen sollen zeigen, in welchem Ausmaß die kompakten Wälder lokale Temperaturspitzen abmildern und Wasser im System halten können. Die Ergebnisse könnten darüber entscheiden, ob Miniwälder künftig flächiger in österreichischen Städten eingesetzt werden.