ESCMID Global: RSV-Impfung während der Schwangerschaft senkt das Hospitalisierungsrisiko bei Säuglingen um mehr als 80 Prozent, wie eine große UKHSA-Studie zeigt

17.04.2026

MÜNCHEN, 18. April 2026 /PRNewswire/ -- Die bislang größte Praxisstudie dieser Art, die heute auf dem ESCMID Global 2026 vorgestellt wurde, zeigt, dass eine RSV-Impfung während der Schwangerschaft das Risiko einer Hospitalisierung bei jungen Säuglingen um mehr als 80 % senkt, wenn sie mindestens zwei Wochen vor der Geburt verabreicht wird.

RSV ist ein verbreitetes Virus, das bei Säuglingen und Kleinkindern schwere Atemwegserkrankungen verursachen kann, darunter Infektionen der unteren Atemwege (LRTIs) wie Bronchiolitis und Lungenentzündung. Es ist weltweit eine der Hauptursachen für Hospitalisierungen bei Säuglingen, wobei eine Infektion in den ersten Lebensmonaten mit potenziellen Langzeitfolgen wie wiederkehrender Pfeifatmung oder Asthma, wiederholten Hospitalisierungen und einer beeinträchtigten Lungengesundheit in Verbindung gebracht wird.

In England wurde am 1. September 2024 ein nationales RSV-Impfprogramm für Schwangere eingeführt, in dessen Rahmen Schwangeren ab der 28. Schwangerschaftswoche der bivalente Prefusion-F-Impfstoff angeboten wird.

Um die Auswirkungen dieses Programms auf Hospitalisierungen von Säuglingen aufgrund RSV-assoziierter Infektionen der unteren Atemwege zu bewerten, führten Forscher der UK Health Security Agency (UKHSA) eine retrospektive Kohortenstudie anhand verknüpfter nationaler Datensätze durch, darunter NHS-Schwangerschaftsdaten, Impfdaten sowie Krankenhaus- und Labordaten. Die Analyse umfasste 289 399 Säuglinge, die zwischen dem 2. September 2024 und dem 24. März 2025 geboren wurden, was rund 90 % aller Geburten in England in diesem Zeitraum entspricht.

In der gesamten Studienpopulation wurden 4594 RSV-assoziierte Hospitalisierungen erfasst. Obwohl Säuglinge ungeimpfter Mütter 55 % der Gesamtkohorte ausmachten, entfielen 87,2 % der Hospitalisierungen auf sie.

Demgegenüber war das Hospitalisierungsrisiko bei Säuglingen, deren Mütter mindestens 14 Tage vor der Geburt geimpft worden waren, deutlich geringer; die Wirksamkeit des Impfstoffs wurde im Vergleich zur ungeimpften Gruppe auf 81,3 % geschätzt.

Der Hauptautor der Studie und Epidemiologe der UKHSA, Matt Wilson, erklärte: „Als bislang größte Studie zu den Auswirkungen dieses Impfstoffs auf Hospitalisierungen bei Säuglingen liefern diese Ergebnisse stichhaltige Belege dafür, dass die Impfung jungen Säuglingen einen erheblichen Schutz vor schweren Erkrankungen bietet. Wir haben einen klaren Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Impfung und dem Schutz festgestellt. Die Wirksamkeit stieg mit zunehmendem Abstand zwischen Impfung und Geburt und erreichte nahezu 85 %, wenn die Impfung mindestens vier Wochen vor der Entbindung erfolgte."

Die Studie untersuchte auch die Ergebnisse bei Frühgeborenen. Die Wirksamkeit des Impfstoffs wurde bei Frühgeborenen auf 69,4 % geschätzt, wenn zwischen Impfung und Geburt mindestens 14 Tage lagen.  

„Diese Ergebnisse sind besonders wichtig für Frühgeborene, die zu den am stärksten durch schwere RSV-Infektionen gefährdeten Säuglingen gehören", ergänzte Wilson. „Wenn zwischen Impfung und Geburt ausreichend Zeit lag, haben wir bei diesen Babys eine gute Schutzwirkung beobachtet."

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Italien untersucht Angriff auf Strommast der TAL-Pipeline – Österreich bleibt versorgt

13.04.2026

Nach der Beschädigung eines Strommasts in der norditalienischen Provinz Udine ermitteln die Behörden zu einem möglichen Sabotagefall im Umfeld der Transalpine Ölpipeline (TAL). Betroffen ist ein Mast der 132-Kilovolt-Leitung Tolmezzo–Paluzza, der das Stromnetz zur Versorgung des Ölnetzwerks speist. Die Carabinieri befragen Fachleute des Netzbetreibers Terna, der den Schaden am 25. März gemeldet hatte. Ziel der Ermittlungen ist es, die Ursache der Unterbrechung im Stromnetz zu klären, die letztlich zu einem zeitweisen Stopp der Ölversorgung führte.

Videoaufnahmen des italienischen Senders RAI stützen nach Angaben aus Ermittlerkreisen den Verdacht, dass der Mast in einem schwer zugänglichen Gebiet nahe der Grenze zu Kärnten mit einem Schneidbrenner beschädigt worden sein könnte. Eine Sprecherin der TAL betonte gegenüber der Austria Presse Agentur (APA allerdings, dass es sich nicht um einen direkten Angriff auf die Pipeline selbst handle, sondern um einen Schaden an einer Terna-Anlage, die auch die TAL-Pipeline versorgt. Angaben zur Höhe des finanziellen Schadens und zu konkreten Auswirkungen auf den Betrieb machte das Unternehmen nicht.

Die TAL mit einer Gesamtlänge von 753 Kilometern – davon 161 Kilometer auf österreichischem Staatsgebiet in den Bundesländern Kärnten, Tirol und Salzburg – gilt als kritische Infrastruktur für die Energieversorgung in Österreich und Süddeutschland. Die Raffinerie der OMV in Schwechat bezieht ihr Öl laut dem Ölmarktexperten Johannes Benigni von der Energieberatungsfirma JBC Vienna nahezu vollständig über diese Leitung. Ohne die TAL habe Österreich „quasi kein Öl, außer das, was wir selber fördern“, sagte Benigni im Ö1-Morgenjournal. Das österreichische Energieministerium teilte dennoch mit, dass zu keinem Zeitpunkt eine kritische Versorgungslage bestanden habe: Die Raffinerie Schwechat habe über ausreichende Rohölbestände verfügt, der Vollbetrieb sei gesichert gewesen, und die Pflichtnotstandsreserven mussten nicht angetastet werden.

In Wien wurde der Vorfall sicherheitspolitisch eng begleitet. Das Innenministerium verwies auf die übliche enge Abstimmung mit den italienischen Sicherheitsbehörden in Fällen, die kritische Infrastrukturen betreffen. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) arbeitet nach eigenen Angaben eng mit den Betreibern solcher Anlagen zusammen und berät zu physischen, organisatorischen und hybriden Bedrohungen. TAL kündigte an, die bereits als hoch beschriebenen Sicherheitsvorkehrungen entlang der Pipeline nach dem Vorfall weiter zu verstärken. Der Fall rückt die Verwundbarkeit zentraler Energieadern Europas in den Fokus – auch wenn der aktuelle Zwischenfall die Versorgung Österreichs nach offizieller Darstellung nicht gefährdet hat.